Unfall: Bitte Kasko rechtzeitig kontaktieren

Es wird nach einem Unfall oftmals so vorgegangen: der Geschädigte meldet den Verkehrsunfall bei der gegnerischen Haftpflichtversicherung an und fordert Schadensersatz. Wenn sich die Versicherung dann wehrt und gar eine Haftungsquote „übrig bleibt“ oder sich die Sache extrem verzögert, wird sozusagen hilfsweise die eigene Kaskoversicherung in Anspruch genommen. Diese muss ja schließlich sowieso zahlen und kann sich dann die Kosten bei der Gegenseite zurück holen. Man vermeidet dadurch, sich selbst rumstreiten zu müssen.

Kasko-Pflicht: Schaden binnen einer Woche melden!

Ein ganz großes Problem wird dabei häufig außer Acht gelassen: in quasi allen Kaskoversicherungsverträgen ist geregelt, dass der Kaskoversicherung der Schadenfall binnen einer Woche gemeldet werden muss. Diese Frist beginnt – vereinfacht gesagt – am Unfalltag. Bis eine verbindliche Rückmeldung durch den gegnerischen Versicherer vorliegt, vergeht in nahezu allen Fällen weitaus mehr als eine Woche. Im nun entschiedenen Fall waren es gar 15 Monate, bis die Klägerin sich dazu entschloss, die Kaskoversicherung in Anspruch zu nehmen. Das wurde ihr zum Verhängnis.

vorsätzliche Pflichtverletzung – keine Zahlung

Die Kaskoversicherung verweigerte jegliche Zahlung mit dem Argument, die Klägerin habe vorsätzlich gegen die Wochenfrist verstoßen und nach den Versicherungsbedingungen sei die Versicherung bei vorsätzlicher Obliegenheitsverletzung leistungsfrei. Hiergegen klagte – und verlor – die Klägerin.

In zweiter Instanz stellte das Oberlandesgericht Braunschweig (Beschluss vom 16.01.2021 – 11 U 131/19) wie schon vorher das Landgericht fest, dass die Klägerin vorsätzlich den Unfall zu spät gemeldet hat. Ihr sei aufgrund früherer Schadenfälle bewusst gewesen, dass sie den Schaden binnen einer Woche hätte melden müssen. Dass sie zunächst die Regulierung durch den Gegner abwarten wollte, stünde dem nicht entgegen. Es gehe nur darum, den Schaden zu melden, nicht auch darum, bereits konkrete Forderungen zu stellen. Das sei zumutbar gewesen.

Verspätung: keine Feststellungen mehr möglich

Die Klägerin konnte auch nicht beweisen, dass die Verspätung für die Feststellung der Leistungspflicht egal sei. Der Kaskoversicherung sei es durch die Verspätung nicht mehr möglich gewesen, den behaupteten Unfallhergang zu überprüfen und abzusichern, ob die Schäden tatsächlich aus dem Unfall herrührten, zumal das versicherte Auto im Zeitpunkt der Schadenmeldung bereits verkauft worden war.

Sicher: Unfall bei Gegner UND Kasko melden

Was lernen wir aus dem Urteil? Wenn nicht nahezu sicher feststeht, dass der Gegner wird leisten müssen, sollte der Unfall immer sicherheitshalber sofort auch der eigenen Kaskoversicherung gemeldet werden. Man wird sicher aufgrund abweichender Sachverhalte auch zu anderen Entscheidungen gelangen können als das OLG Braunschweig, aber diese Problematik kann und sollte ganz einfach umschifft werden. Also: gleich nach dem Gegner auch die Kasko informieren! Am besten macht man das gleich mit Unterstützung durch einen Fachanwalt für Verkehrsrecht.