Sturmschäden am Kfz

Wir befinden uns mitten im Herbst, der Hochsaison für Stürme. Abgesehen vom üblichen Unfallgeschehen, welches im Herbst durch Dunkelheit, rutschige Straßen etc. ebenfalls verstärkt ist, sind auch durch die Sturmereignisse viele Schäden an Autos zu beklagen. Auf die rechtlichen Zusammenhänge soll hier hingewiesen werden.

Für die Regulierung der Sturmschäden kommen in aller Regel die Voll- und Teilkaskoversicherung, möglicherweise aber auch die (Kfz-) Haftpflichtversicherung von Dritten in Betracht.

 

Teilkaskoversicherung

Die meisten Fälle werden über die Teilkaskoversicherung abgewickelt, in der Sturmschäden versichert sind. Dabei ist versichert die unmittelbare Einwirkung von Sturm, Hagel, Blitzschlag oder Überschwemmung auf das Fahrzeug. Als Sturm gilt eine wetterbedingte Luftbewegung von mindestens Windstärke 8, also 62 km/h. Eingeschlossen sind Schäden, die dadurch verursacht werden, dass durch diese Naturgewalten Gegenstände auf oder gegen das Fahrzeug geworfen werden. Ausgeschlossen sind Schäden, die auf ein durch diese Naturgewalten veranlasstes Verhalten des Fahrers zurückzuführen sind. Im Streitfall kann die Windgeschwindigkeit durch eine Anfrage beim Deutschen Wetterdienst (DWD) ermittelt werden.

Streit entsteht häufig in Fällen, in welchen der Sturm nicht plötzlich über das Land hinweg rauscht, sondern sich mit langsam ansteigenden Winden aufbaut. Der Versicherer behauptet dann gerne, der konkrete Schaden sei bereits entstanden, bevor die Windstärke 8 erreicht wurde. Es stellt sich dann die Frage, wer die Beweislast trägt. Einerseits muss immer derjenige, der einen Anspruch durchsetzen möchte, das Vorliegen der Voraussetzungen beweisen. Andererseits begründet schon die im Verlaufe des Sturms erreichte Windstärke 8 einen sogenannten Anscheinsbeweis zugunsten des Versicherungsnehmers. So hat der Versicherungsnehmer die besseren Karten und der Versicherer muss seine Behauptung des früheren Schadeneintritts beweisen.

 

Vollkaskoversicherung – Abgrenzungsprobleme

Erreicht der Sturm nicht die Windstärke 8 oder ist der Sturm nicht unmittelbar für das Schadenereignis verantwortlich, muss die Vollkaskoversicherung in Anspruch genommen werden. Die Abgrenzung ist hier manchmal schwierig.

Erfasst beispielsweise die Windböe das fahrende Auto, wirft es um oder drückt es von der Fahrbahn, liegt ein in der Teilkaskoversicherung versicherter Sturmschaden durch unmittelbare Einwirkung des Sturms vor. Wird dagegen das Fahrzeug von einer Windböe erfasst und kommt es dann wegen einer schreckbedingten Reaktion des Fahrers zum Unfall, wird die Unmittelbarkeit der Sturmeinwirkung von der Rechtsprechung verneint. Dies wäre dann ein Fall für die Vollkaskoversicherung.

Auch der vom Wind attackierte Baum führt zu Problemen. Fällt ein vom Sturm gefällter Baum, ein abgebrochener Ast oder auch ein anderer vom Sturm verwehter Gegenstand so knapp vor das Fahrzeug, dass eine Kollision unvermeidlich ist, wird die Unmittelbarkeit der Sturmeinwirkung bejaht und die Teilkaskoversicherung muss zahlen. Liegt der Baum, der Ast oder der Gegenstand jedoch schon länger auf der Fahrbahn und kommt es zum Zusammenstoß damit, ist das ein – nur – in der Vollkaskoversicherung abgedecktes Auffahren auf ein Hindernis.

Auch das durch den Sturm weggerissene Vorzelt des Wohnwagens oder die vom Autodach gewehten Dachgepäck- oder Fahrradträger sind in der Teilkaskoversicherung zu verorten.  Auch gilt es als unmittelbarer Sturmschaden, wenn eine Tür geöffnet und vom Sturm aus der Hand gerissen wird.

 

Haftpflichtversicherung

Gelegentlich kann ein Sturmschaden auch ein Haftpflichtschaden sein. Hier wird anwaltliche Unterstützung von Anfang an sehr sinnvoll sein.

Weht ein Windstoß z.B. einen abgestellten Anhänger gegen einen anderen Gegenstand, kann sich dessen Haftpflichtversicherer nicht auf den Tatbestand der höheren Gewalt berufen – höhere Gewalt sind nur solche Naturereignisse, auf die man sich nicht einstellen kann, was jedenfalls bei einem angekündigten Sturmereignis nicht vorliegt. Auch wenn es kein anderes Fahrzeug war, sondern ein beliebiger anderer Gegenstand, entsteht dadurch in aller Regel ein Haftpflichtanspruch gegen den Eigentümer. Fällt im Sturm – auch unter Windstärke 8 – ein Baum um und beschädigt dabei ein Fahrzeug, kommt auch eine Haftung des Grundstückseigentümers in Betracht, auf dessen Grundstück der Baum stand. So ein Schaden kann, wenn Windstärke 8 erreicht wurde, bevor der Baum umfiel, auch zunächst über die eigene Teilkaskoversicherung abgerechnet werden. Das wird auch sinnvoll sein, denn ein Streit um die Haftung des Baumeigentümers ist regelmäßig eine zähe Angelegenheit. Selten geht das ohne gerichtliche Hilfe, so dass auch hier frühzeitig ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden sollte. Auch nach der Abrechnung mit der Teilkaskoversicherung bleiben Schadenanteile übrig (Selbstbeteillgunq, Wertminderung, Ausfallschaden etc.). Die können dann im Anschluss an die schnelle Kaskoabrechnung unter Haftpflichtgesichtspunkten beim Schädiger geltend gemacht werden.

Wird ein fahrendes Fahrzeug sturmbedingt vom rechten Weg abgebracht und kommt dabei ein weiteres Fahrzeug zu Schaden, kann dessen Schaden gegenüber dem Haftpflichtversicherer des weggewehten Fahrzeuges abgerechnet werden, denn auch wenn den Fahrer kein Verschulden trifft, geht von dessen Fahrzeug eine Betriebsgefahr aus.

 

Die Abwicklung des Schadens

Liegt ein Kaskoschaden vor, wird der Schadengutachter vom Versicherer entsandt. Bei älteren Fahrzeugen wird dann gern versucht, den Schaden in die Höhe zu treiben, sodass er oberhalb des Wiederbeschaffungswerts liegt. Das Ziel ist es, dem Versicherungsnehmer vorzugaukeln, nun müsse der die Abrechnung wie ein Totalschaden akzeptieren. Der Restwert wird dann ebenfalls sehr hoch gerechnet, um die Versicherungsleistung kleinzumachen.

Bis zum Wiederbeschaffungswert muss der Versicherer jedoch die Reparaturkosten übernehmen, wenn das Fahrzeug vollständig und fachgerecht nach den Vorgaben des Sachverständigen repariert und dies durch eine Rechnung belegt wird. Was darüber hinausgeht, zahlt der Kunde. Die Rechnung muss dabei auf den vollständigen Reparaturbetrag lauten, sonst kann damit nicht die vollständige und fachgerechte Reparatur belegt werden.

Wird das Fahrzeug nur teilweise repariert und weiter genutzt, wird wieder nach Totalschaden abgerechnet. Jüngst hat aber der Bundesgerichtshof entschieden, dass in Fällen, bei denen der Versicherungsnehmer das Fahrzeug teil- oder unrepariert, jedenfalls aber verkehrssicher weiternutzt, auch bei Kaskoschäden nur der Restwert vom örtlichen Markt zur Anrechnung gebracht werden darf. Nur wenn das Fahrzeug veräußert wird, müsse der Versicherungsnehmer die Hilfe des Kaskoversicherers bei der Verwertung auf dem überregionalen Sondermarkt annehmen. Auch hier wird regelmäßig nur eine anwaltliche Unterstützung zum Ziel führen, da der Versicherer von sich aus kaum auf diese Einschränkungen hinweist.